Interview mit Raimund Korbmacher: Regionalität als Vermarktungsvorteil (taspo.de)

Interview mit Raimund Korbmacher: Regionalität als Vermarktungsvorteil

Raimund Korbmacher, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte (VDB). Foto: privat
Raimund Korbmacher, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte (VDB). Foto: privat

Schlecker ist pleite, Quelle verschwand schon 2009, Neckermann steht auf der Kippe. Im ersten Halbjahr 2012 gab es im Handel acht Prozent mehr Insolvenzen als 2011. Steht der Handel vor einer Krise – und trifft diese auch den Handel mit Blumen? Raimund Korbmacher, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte (VDB) gibt im Interview mit der TASPO eine Einschätzung.

„Bezogen auf die gesamte Handelsstruktur möchte ich angesichts der europaweiten Probleme keine Prognose wagen. Aber was die Struktur des Blumenhandels in Deutschland betrifft, haben sich ja bekanntlich bei großen Mitbewerbern schon einige Schwierigkeiten ergeben. Schiere Größe ist halt nicht unbedingt ein Garant für zufriedenstellende Geschäftsverläufe. Ganz Deutschland profitiert doch von der fest etablierten mittelständischen Struktur. Ich meine daher – gerade jetzt zeigt sich die Stabilität der Vermarktungsstruktur unserer traditionellen Blumengroßmärkte“.

Aber sind denn solche Einzelverhandlungen im Morgengrauen wirklich noch zeitgemäß? Preise und Qualitäten kann man doch auch im Internet vergleichen, oft kriegt man die Ware ja auch frei Haus geliefert.

„Die Blumengroßmärkte verstehen sich kundenseitig als Partner des Blumeneinzelhandels, der Floristen. Die möchten in ihrer überwiegenden Mehrheit die Ware sehen, anfassen, riechen. Das Zusammenspiel geht aber noch viel weiter. Die Kunden sprechen ja mit unseren regionalen Erzeugern, nennen Wünsche, geben Anregungen. Auf die unsere Erzeuger und Großhändler natürlich reagieren. Intensiver und effektiver kann eine Geschäftsbeziehung aus Sicht der Kunden doch gar nicht sein.“

Und aus Sicht der Marktbeschicker, der Erzeuger?

„Auch für die ist doch unsere Vermarktungsstruktur nicht nur bewährt, sondern auch höchst zeitgemäß. Bewährt, weil sie im Gegensatz zu anderen Vermarktungsformen die eigenständige Preisgestaltung nicht aus der Hand geben. Durch unmittelbaren Kundenkontakt ist zudem eine sehr marktgerechte Produktion möglich. Nischen können erkannt und besetzt werden, es kann im Vergleich zu den großen Blumentankern mit Massenware schnell auf Veränderungen der Nachfrage reagiert werden. Der Blumeneinzelhandel setzt darauf, sich vom Massenangebot des Systemhandels und der Ketten abzusetzen. Das geht nur mithilfe von Erzeugern, die sich im selben Boot sehen. Zumal in jüngerer Zeit seitens der Verbraucher regional erzeugte Produkte im Fokus stehen – der Trend wird anhalten. Und in Bezug auf marktnahe Erzeugung kann den Blumengroßmärkten niemand etwas vormachen.“

Regionale Erzeugung wird sicher ein Verbraucherthema bleiben. Aber ebenso der Preis – und günstige Preise sind nur mit massenhaftem Absatz möglich. Wie sieht die Strategie der Blumengroßmärkte gegenüber den Großen der Branche aus?

„Zunächst einmal in einer klaren Definition der Partner. Kundenseitig ist das der Blumeneinzelhandel, auch inhabergeführte Gartencenter – nicht aber der Systemhandel und die Ketten. Auf der anderen Seite die regionalen Erzeuger, der Blumengroßhandel. In diesem Zusammenspiel ist nicht pure Masse, sondern Klasse der Schlüsselbegriff. Eine Breite und Tiefe im Angebot, Frische und Qualität, kurze Wege, schnelle Reaktionsmöglichkeiten, regionale Erzeugung, partnerschaftlicher Umgang aller Beteiligten. Aber natürlich haben wir auch Aufgaben vor uns.“

Können Sie Beispiele nennen?

„Ja, etwa im Servicebereich. In Köln haben wir hohe Steigerungsraten bezüglich unseres Auslieferungsservices. Wir sehen deutlich, dass solch ein zeitsparendes Angebot von den Kunden gewünscht und gut angenommen wird. Dieser Service hängt unmittelbar mit dem Telefonservice zusammen, der wie Abholdepots auch auf den anderen Blumengroßmärkten gut angenommen wird.
Ich finde auch eine Zentralkassenregelung wie bei uns in Köln nachahmenswert. Damit verlieren die Erzeuger und der Großhandel ja nicht ihre Preissouveränität. Es ist eher eine Servicestelle, die den Beteiligten Arbeit abnimmt und darüber hinaus genaues Zahlenmaterial etwa über Umsätze in einzelnen Segmenten oder zu Verkaufsschwerpunkten liefert. Aus dem Marketingbereich möchte ich den schon erwähnten Aspekt der Regionalität nennen. Wir werden uns auf unserer VDB-Tagung im September eingehend damit befassen.“

Wenn nun regionale Erzeuger neu über einen Blumengroßmarkt vermarkten wollen – könnten Sie überhaupt Flächen anbieten?

„Unsere Auslastungsquoten sind hoch, es sind halt stabile Strukturen. Natürlich gibt es aber auch immer wieder eine gewisse Fluktuation, Flächen, die frei werden. Jeder, der zu uns kommen will und zu uns passt, ist zunächst einmal willkommen.“ (Martin Hein)
(Quelle: http://taspo.de/aktuell/alle-news/detail/beitrag/41469-interview-mit-raimund-korbmacher-regionalitaet-als-vermarktungsvorteil.html)